Willkommen in einer sprachlichen Einbahnstraße!

Herzlich willkommen in der Welt der sprachlichen Monokultur, der sich wiederholenden Phrasen und des schönen Scheins.

Herzlich willkommen in der Blogosphäre.

Nein, ich bin nicht sauer auf irgendetwas oder verletzt, ich beobachte nur. Ich bin zwar kein Statistiker, aber Literaturwissenschaftlerin und da fällt der Fokus mitunter schon mal auf die gezielte Verwendung eines gewissen Vokabulars.

Gern scrolle ich am Abend nochmals durch meinen Bloglovin‘ Feed und lese, was es denn so neues gibt. Was gab es gestern zu lesen: die 15. Lieblinge, die 597. Gesichtsreinigung und die 17.Glossybox. Alles verständlich, alles klar, es dreht sich ja hier um Blogs, die diverse Produkte mehr oder weniger gut ausgewählt vorstellen. Alles so weit vertretbar und ok.

Doch was mich viel eher abschreckt, ist die sprachliche Monokultur der Phrasen: „Heute habe ich für Euch …“ oder „Hallo meine Lieben“ (hier könnte man auch jedes andere beliebige Kosewort einsetzen).

Wenn wir schon vom Einsetzen sprechen: Manchmal kommt es mir vor, als wären diverse Blogs in ihrer Struktur zu schreiben so gefestigt und eingefahren, dass man nur mehr das Produkt XY und die Fotos desselbigen austauschen müsste, um einen neuen Beitrag zu erstellen. Schade, denn eigentlich müsste auch in einem Blog das qualitative Schreiben dem quantitativen vorausgehen.

Ich will mit diesen Worten jetzt keinen Shitstorm auslösen, sondern vielleicht einen Denkanstoß vermitteln, der reflektiertes Schreiben zur Folge trägt. Aber denkt doch mal logisch, jene Blogs, die sich fernab von abgedroschenen Phrasen bewegen, die das Besondere zu charakterisieren wissen, sind erfolgreich.

Also meine Lieben (ich kann mir ein wenig Ironie nicht verkneifen) 😉

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8 Gedanken zu “Willkommen in einer sprachlichen Einbahnstraße!

  1. Nachdem ich durch Zufall auf deinen Betrag gestoßen bin, hat es in meinem Kopf sofort zu rattern begonnen. Auch ich muss eingestehen, dass die meisten Kritikpunkte perfekt auf mich und meinen Blog zutreffen könnten. Natürlich habe ich dann begonnen Gedanken zu spinnen und mir die Frage gestellt, wieso meine Texte so simple und meine Themen so voraussehbar sind. Hier nun also meine Erklärung dazu. Will ich mich als Durchschnittsbürger im Internet über ein Produkt, eine Kosmetikbox oder ein Thema informieren, ist mein Ziel das schnelle filtern von den Basisinformationen. Zahlt sich der Kauf aus? Wie viel kostet das Produkt? Sagt es mir zu? Haltbarkeit? etc. Was ich jedoch nicht will ist, dass ich mir elend lange Sätze, die literarisch wertvoll und auf einen hohen Bildungsgrad deuten lassen, durchlesen muss. Ich mag es, wenn ich in einem Blogbeitrag persönlich angesprochen werde und die Sätze kurz und knackig sind, aber dafür die wichtigsten Informationen enthalten. Ich wiederhole auf meinem Blog viele meiner Satzstellungen und meine Wortwahl ist oft die selbe, was jedoch nicht daran liegt, dass mein Wortschatz begrenzt ist oder meine Motivation nicht ausreicht, sondern einzig und allein daran, dass ich viele Informationen aufs notwendigste minimieren möchte und meinem Leser möglichst schnell meinen Standpunkt und meine Meinung zu einem Produkt klar machen will. Ich hätte dir die Kerninformation meines Texte genauso gut in 2 Sätzen schreiben können, aber ich wollte, dass auch so kritische Menschen wie du einen kleinen Denkanstoß bekommen. Ich versteh deinen Beitrag und den Grund deiner Aufregung, muss aber mit dieser Erklärung kontern und hoffe, dass du dadurch ein Verständnis für diese Problematik bekommst.

    Viele liebe Grüße und einen schönen Tag, wünscht
    Nina

    https://timeoutforsparkling.wordpress.com/

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    1. Liebe Nina 😀 Ja, klar verstehe ich Deine Zeilen und bin dankbar für deine Kritik und Rückmeldung. Die Blogosphäre ist ein eigenes Universum mit eigener Sprache und eigenen Spielregeln. Ich finde Deinen Blickwinkel sehr interessant und Du hast vollkommen recht, dass man sich auf einem Blog vor allem über ein Produkt informieren möchte und keine literarische Abhandlung darüber lesen möchte. 😀 Liebe Grüße 😀

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  2. Da hast du wohl Recht. Eine eigenes Sprachuniversum. Da hat Goethe und Schiller nichts verloren 😉 Glaub mir, ich schreibe normalerweise auch lieber „hochwertige“ Texte, nur ich passe mich insofern mit meinem Textstil an, weil ich weiß auf was ich achte, wenn ich etwas über ein Produkt erfahren will. Wenn da zu lang um etwas herum geschrieben wird schließe ich die Seite wieder und informiere mich wo anders. Hart, aber war. In diesem „Business“, ist es wohl am besten, einfache und knappe Sätze zu wählen ;). Grüße zurück 😀

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  3. Hui, da übst du jetzt aber ganz schön viel Kritik an einer Menge Blogger und Bloggerinnen. Ich hoffe, du hast dich da nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt. Nicht dass ich mich durch deine Kritik angesprochen fühle – glaube ich zumindest? – aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass dies bei einigen anderen der Fall sein wird und sich diese persönlich kränken. Ich möchte jetzt auch keinen Shitstorm auslösen, kann das aber trotzdem nicht so im Raum stehen lassen.

    Es gibt so viele Blogs und so viele davon stellen ähnliche, oder gleiche Produkte vor und ja: viele von ihnen beginnen mit „Hallo meine Lieben“. Trotzdem haben diese einen großen Leser- und Leserinnenkreis, vielleicht ja gerade wegen ihrer Einbeziehung mit „ihr Lieben“. Nur weil du es als abgedroschene Phrase wahrnimmst, heißt das ja noch lange nicht, dass es die 1000 anderen Follower eines Blogs ebenfalls tun.

    Ich finde es ein bisschen schwierig zu beurteilen, was genau unter „qualitatives Schreiben“ fällt – denn ich glaube jeder Blogger und jede Bloggerin wird von sich aus gerne einen qualitätsvollen Beitrag verfassen und auch der Ansicht sein das so zu tun. Was mir auffällt ist, dass du wohl sprachlich etwas zu vermissen scheinst. Ich kann mir auch in etwa ein Bild davon machen, was du damit meinst. Deinen Blog lese ich zum Beispiel sehr gerne, weil ich es mag, wie du dich sprachlich ausdrücken kannst.
    Allerdings glaube ich nicht, dass du besonders erfolgreich darin sein wirst, in der Beauty-Blog-Welt nach rhetorischen Perlen zu suchen. Denn – wie Nina oben schon geschrieben hat – manchmal ist es durchaus ausreichend, wenn in kurzen und knackigen Sätzen über das Wesentlichste geschrieben wird. Vielleicht auch so, dass die Leserschaft sich persönlich angesprochen fühlt – und sei es indem der Beitrag mit „ihr Lieben“ beginnt.

    Vielleicht gelingt es dir aus der sprachlichen Monokultur auszubrechen, indem du Blogs suchst, die ihren Schwerpunkt genau darin legen? Ich bin mir sicher, dass es da eine Menge davon gibt, die dich interessieren könnten.

    Eine Sache noch, die mir – besonders im Kontext mit der Kritik an der Blog-Sprache – ganz besonders stark ins Auge gesprungen ist, war der zweite Satz deines Beitrags, in den sich ein Tippfehler geschlichen hat.

    Ich hoffe du verstehst, was ich meine und nimmst mir die Kritik nicht allzu übel!

    Liebe Grüße,
    Vanessa

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    1. Hallo Vanessa, danke für Deine Antwort. Ja, so habe ich es noch nicht gesehen. Eine spannende Sichtweise.

      Danke auch für deinen Hinweis mit dem Tippfehler, der sofort ausgebessert wird.

      Ich möchte hier nochmals betonen, dass ich hier niemanden kränken möchte und umso mehr auf viele spannende Beiträge hoffe.

      Vielen Dank nochmals, dass du dir Zeit genommen hast, deine Sichtweise in diesem ausführlichen Post darzulegen.

      Liebe Grüße, Heli

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  4. ulli ks

    Liebe Heli!

    Interessante Worte schreibst du hier und ich finde sie durchaus sehr berechtigt.
    Ich für meinen Teil würde allerdings unterscheiden.
    Zum einen sind für mich die hundert Reviews, die über ein und dasselbe Produkt innerhalb von 2 Tagen veröffentlicht werden schlichtweg uninteressant. Zum anderen bemerke ich doch nach etwa 14 Monaten bloggen, dass es die Arbeit vereinfacht, wenn man gewisse Standards entwickelt.
    Man muss ja bedenken, dass unsereiner nach einigen Stunden Arbeit und Familie bloggt. Da fällt es oft schwer, jedes Mal das Rad neu zu erfinden und hochgeistige Formulierungen zu verfassen…
    Andererseits habe ich gerade erst mit großem Erstaunen auf I need Sunshine bei Dianas Montagsfrage gesehen, wie wenig Zeit Bloggerinnen für ein Post brauchen. denn bei mir sind es mindestens 5-10 Stunden.

    Mir persönlich macht es aber große Freude, wenn ich Bloggerinnen entdecke, die vom Durchschnitt abweichen, wobei es mich durchaus auch sehr anspricht, wenn jemand „freischnauze“ schreibt. Es geht mir also nicht ausschließlich um den intellektuellen Anspruch 😉

    Ich bin jedenfalls gespannt, was uns noch so auf deinem Blog erwartet 🙂

    Lieben Gruß,
    ulli ks

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    1. Liebe Ulli, danke für deinen Post. Wie so viele andere brauche ich ziemlich viel Zeit für einen Beitrag. Am längsten dauert es, bis das Grundgerüst und die Photos stehen. Ich mache während des Schreibens aber auch immer wieder Pausen und lasse den Text ruhen. Klar, man muss bedenken, dass wir nicht hauptberuflich Blogger sind und die Zeit knapp ist. Da hast Du schon recht, dass standardisierte Formulierungen die Bloggerei erleichtern.

      Liebe Grüße, H.

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