Irisches Tagebuch Tag 3

Am dritten Tag wollte ich ursprünglich zu den Cliffs of Moher, doch die schlechte Wetterprognose und die lange Anreise im Bus ließen mich meine Pläne ändern. Ein Kollege hatte mir den Tipp gegeben stattdessen lieber nach Howth zu fahren. In Howth sollte es einen netten Hafen und ganz gute Cafés geben.

 

Erreichen konnte ich den kleinen Fischerort mit einem Regionalzug, der von der Pearse Station lediglich eine halbe Stunde nach Howth brauchte.

Einzig allein das Kaufen der Karten stellte sich etwas umständlich heraus, da in den irischen Bahnhöfen offenbar Personal eingespart wird, fand ich nur einen Automaten um die Tickets zu kaufen. Mir war nicht ganz klar, ob das Ticket auch gleichzeitig für die Retourfahrt gültig war und so fand ich dann schließlich doch einen Angestellten der Irischen Bahn. Lustigerweise fragte er mich dann in einem breiten bayrischen Dialekt: Na, was willstn Madl? Er hatte lange Zeit in München und Wien gearbeitet und hatte wegen meiner Jack Wolfskin Jacke sofort erkannt, dass ich aus einem deutschsprachigen Land kommen musste.

 

Während der Zugfahrt aktivierte ich meinen mehr als 10 Jahre alten Ipod und hörte französische Balladen, während die ersten Küstenabschnitte an mir vorbeizogen und ich konnte es kaum mehr erwarten, endlich wieder das Meer zu sehen.

In Howth schlenderte ich erst mal ein wenig planlos entlang des Piers, wo sich ein Fischlokal an das nächste reiht. Nein, nicht solche Fischrestaurants, die Ihr meint, sondern kleine Lokale, die neben Fish & Chips nur ein oder zwei Gerichte anbieten. Beinahe am Ende des kleinen Hafens quatschte mich ein Junge an, ob ich nicht vielleicht eine Tour mit einem Boot machen wolle. Nein, war meine Antwort, schaute mir das Plakat auf dem Holzaufsteller aber doch an. Blitzschnell änderte ich meine Meinung, denn ich wollte unbedingt zu dem kleinen Vogelfelsen und um 10€ zu der Vogelinsel. Es stellte sich heraus, dass dies die beste Entscheidung seit langem war.

419C5C8C-EEF5-4304-8780-53EC733A2C92D9C26C67-414A-46E1-BAA1-1D019069884ED1CC880B-A92A-48D4-808D-463E8BEAD3DCE5354807-EADF-465A-881C-CC66C029EA4AE4322F8E-0127-4BC2-B1EB-FA5D87243AE5D76686EB-8584-473B-8C68-BF210541F569F6666621-1696-41AD-A136-386C857F54332DF176A2-AC2C-44D1-BC39-AF05A3DC1775E8FD8C2A-1560-4BA2-97D2-7BDFBBFDBD2F9ED65240-34E5-4235-9D2F-B29B5D58086CF0703105-DC75-4B10-A22A-2E48CDF6166A

 

Das kleine Ausflugsboot war eigentlich ein kleines Fischerboot für sechs Personen und an Bord befand sich lediglich eine junge Frau aus Deutschland. Schnell fanden wir Gemeinsamkeiten und freuten uns über die atemberaubende Schönheit der Küste. Die Wellen schwappten sanft um das Boot und innerhalb von einer Viertelstunde ragten bereits die ersten Felswände der Vogelinsel vor uns auf. Tausende von Möwen, Trottellummen und Kormoranen schwirrten auf und ab und stürzten immer wieder in das Wasser um nach Nahrung zu suchen, während neben dem Boot dann und wann ein Seehund aus dem Wasser lugte. Leider schaffte ich es nicht, ein Foto von einem Seehund zu machen, doch die Erinnerung an diesen Ausflug werde ich lange mit mir herumtragen.

Die Zeit an Bord raste dahin und ich hätte den ganzen Tag auf diesem Boot verbringen können, wie gern wäre ich auf der Vogelinsel geblieben und hätte gern gezeichnet und die Vögel beobachtet.

 

Wieder zurück in Howth besuchten wir dann noch ein kleines Pub und spazierten noch an das andere Ende des kleinen Fischerortes und nun hätte ich ganz gerne die literarischen Fährigkeiten Maupassants oder Flauberts um die Atmosphäre von Howth an diesem kalten Märztag zu skizzieren.

C6325AD7-AC43-43CE-AEA8-412B2A6AF340D63BE4CA-5E54-45C7-B8FF-8754475D62EA3AD50A31-3FD4-4424-A82D-843A3CE3B209

An der Kaimauer entlang ging es zu einem kleinen Leuchtturm, der etwas vergessen und verloren wirkte, während Scharen von Möwen versuchten einer Frau ihr Sandwich zu klauen.

 

Schön langsam wurde der Wind auch immer stärker und ich griff wieder zu Haube und Kapuze und bereute es ein wenig, keine Handschuhe dabei zu haben. Am Rückweg vom Kai beschloss ich noch eine Café zu trinken und fand direkt bei der Bahnstation ein kleines, sehr schräges Café. Die Atmosphäre erinnerte an eine Szene aus einer Roald Dahl Erzählung. Überall standen Kerzen, ausgestopfte Tiere, makabere Souvenirs und zerfledderte Bücher. Zuerst zögerte ich ein wenig, als ich es betrat, doch so ausgefroren wie ich war, freute ich mich über etwas Wärme. Sauberkeit schien dort auch nicht unbedingt ein Muss zu sein, doch die Bedienung war ungemein freundlich. Als ich zahlen wollte, hielt ich dem jungen Kellner einen 100€ Schein hin, er meinte aber, ob ich es nicht kleiner hatte, denn hier zahle selten jemand mit so viel Bargeld und ob ich vielleicht per Karte meine Rechnung begleichen könnte. Ich kenne so einen Vorbehalt gegenüber Bargeld eigentlich nur aus den USA, nicht jedoch aus Europa.

D779D587-EA0E-4E79-B8F0-866FBFBBAD12

 

Vor dem Zurückfahren mit dem Zug war ich schon ein klein wenig nervös, denn nirgendwo hing ein verständlicher Fahrplan aus. Aber es war alles viel unkomplizierter als ich befürchtete, denn ich befand mich in Howth an der Endstation und musste mich einfach nur in den Zug setzen, der bereits auf die Abfahrt wartete.

 

Der Ausflug wird mir wirklich noch lange in Erinnerung bleiben und ich weiß jetzt schon, dass ich sicher bald mal zurückkehre.

Ein Gedanke zu “Irisches Tagebuch Tag 3

Das Hinterlassen eines Kommentars gilt als Einverständnis zur Speicherung der Daten (E-mail, Zeitstempel, Name, evtl. Webpage). Der Kommentar kann jederzeit gelöscht werden. Weitere Infos in der Datenschutzerklärung.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s