Levis 501, Martens und meine Lederjacke

Reisen

Ist es notwenig, dass ich die gleiche Kleidergröße wie vor 20 Jahren trage. Halt, sind es tatsächlich schon 20 Jahre?

Mein Objekt der Begierde in der Pflichtschulzeit waren Martens und die Levis 501. Wer kann sich nicht an den typischen Teenager Look der 1990er erinnern?

K hatte blau/ silberne Martens, I hatte dunkelblaue und ich wollte natürlich dunkelgrüne. Eh klar. Was denn sonst …

Als ich 14 war, reisten wir für einige Wochen nach Schottland und dort in Fort Williams bekam ich meine dunkelgrünen Martens, die noch dazu im Abverkauf waren. Und ich liebte sie, auch wenn sie meine Haut bluten ließen. Egal, das Aschenputtel Prinzip kam hier zur vollen Anwendung: Wer schön sein will muss leiden.

Die Martens wurden meine Glücksschuhe. Ich trug sie bei meiner Matura, bei meiner Führerscheinprüfung, auf der Uni, im Sommer, im Winter und zu jedem Campingausflug. Als sie mich unendlich viele Kilometer durch mein Leben getragen haben, entpuppten sie sich auch als perfekte Schuhe für den Reitstall und irgendwann, bekamen sie bei der kleinen Zehe ein Loch. Time to say goodbye.

Mein erstes Paar Martens hielt ungefähr 10 Jahre und mein zweites Paar folgte sofort. Ich kaufte sie von meinem Geld als Praktikantin, als ich das letzte Mal vor dem Berufseinstieg in der Buchhaltung arbeitete. Das war vor circa 10 Jahren. Auch dieses Mal waren die Martens grün, aber ich entschied mich für die Variante mit dem weichen Leder. Ihr könnt Euch sicherlich denken warum … Auch diese Schuhe begleiteten mich zu wichtigen Punkten in meinem Leben: zur Dates, zur Motorradprüfung, zur Abschlussprüfung auf der Uni … und Ihr könnt Euch sicherlich denken, dass ich mir irgendwann in der Zukunft wieder ein Paar kaufen werde.

Die Martens sind aber nicht meine einzigen Kleidungsstücke, die mich durch mein Leben tragen. Auch die lila Lederjacke, die einen fixen Platz in meinem Kleiderschrank hat, seit ich 16 bin, hat wohl ihre besten Zeiten schon hinter sich. Immer noch passt die Jacke, die mittlerweile einen chicen Taupeton angenommen hat (von der stylischen Patina reden wir noch gar nicht) und begleitet mich jeden Tag in die Arbeit, wenn die Vespa gesattelt wird.

Und heute, ja heute überlegte ich lange hin und her. Bei TK Maxx probierte ich eine Levis 501 in einem feschen Used Look. Sie passte, ja. Aber fühlte ich mich darin wohl? Nein, nicht so richtig.

Deswegen stellte ich mir in der Umkleidekabine die Frage: Ist es notwendig, zu wissen, dass man in dieselben Kleidungsstücke wie in seiner Teenager Zeit passt?

Die Genugtuung ist sicherlich da, als ich feststellte, dass mir die Levis 501 passte, aber war sie immer schon so weit am Kreuz? Waren meine Knie immer schon so komisch in der Hose?

Und hier wären wir wieder bei der berühmten Selbstliebe, um die ich so sehr buhle. Liebe ich mich mehr, wenn ich weiß, dass mein Körper in die gleiche Grüße passt wie vor 20 Jahren? Nein, aber ein bißchen freut es mich schon, vor allem, weil ich vor drei Jahren sicherlich NICHT hineingepasst hätte und es mich viele Stunden bei Sport und vor gesundem Essen gekostet hat.

Aber umgekehrt ist es doch völlig natürlich, dass mein Körper 20 Jahre später anders aussieht als zu Teenagerzeiten (als noch nichts fertig war).

Doch irgendwie müssen gerade diese Jahre sehr prägend gewesen sein, denn im Herzen liebe ich immer noch meine Martens, meine Lederjacke und meine Levis Jeans. Höre liebend gern Oasis, U2 und Nirvana und freue mich, wenn die Red Hot Chili Peppers im Radio zu hören sind. (Den Text von den Spice Girls und ihrem berühmten „Wannabe“ kann ich übrigens auch noch)

Und ja, K., Du hast vollkommen recht, dass es Sinn macht, sich täglich zu überlegen, wofür man dankbar ist. Heute bin ich dankbar für die kommenden Reisen, die vielen sorglosen Momente und dass mein Zitronenbaum weniger Schildläuse hat.

 

Hier ist übrigens ein Beitrag, der Euch vielleicht auch gefallen könnte. Es sind Ratschläge für mein 14 jähriges Ich. Mittlerweile sehe ich das mit den Kordhosen etwas entspannter als vor zwei Jahren 😉

Ein Gedanke zu “Levis 501, Martens und meine Lederjacke

  1. Hach, wie schön! Ich hatte lila Docs mit Stahlkappe. Hab sie irgendwann schwarz angemalt und sie sind auf jedem Konzert und Festival dabei gewesen. Irgendwie weiß ich nur leider nicht mehr, wohin sie verschwunden sind. Hey, und Levis 501 wurden nicht hinterfragt, ich glaube aber, dass es bei Weitem nicht so viele Schnitte und Modelle gab, wie heute. Oder?
    Egal! Danke für die kleine Zeitreise!
    (Was hatte ich für Blasen an den Füßen…😂)
    Liebe Grüße
    Dani

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