Dankbar sein? Wie geht das?

Nachdem ich vor ein paar Wochen wieder mit einem Studium begonnen habe, lasse ich öfters meine Gedanken zurückschweifen an die Zeit auf der Uni, als ich jeden Tag durch die Höfe des Alten AKHS in Wien zu den Vorlesungen und Übungen gepilgert bin.

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An die Momente, als von einer Vorlesung verwiesen wurde, weil ich einen Keks in den Mund gesteckt hatte oder als ich versuchte in der Bibliothek einen Anruf zu beantworten und mich versteckte, damit ich keine Schwierigkeiten bekam.

 

Nach zehn Jahren habe ich einiges erreicht, habe viel gesehen und einen weiteren Abschluss gemacht. Dafür muss ich mehr als dankbar sein. Aber schätze ich es oder denke ich daran, wenn ich am Abend nach Hause komme? Meistens fokussiert man sich dann auf alltägliche Dinge, wie Haushalt oder die Vorbereitungen für die nächsten Arbeitstage. Auch bei meinen Reisen, die vor 10 Jahren so nicht möglich gewesen wären, sollte ich mehr Dankbarkeit aufbringen. Die schönen Plätze und Momente, die wie eine Batterie für meine innere Kraft dienen sollten. Meistens habe ich den Moment aber nicht gewürdigt. Aber hätte ich dann diesen Augenblick noch mehr genossen?

 

Eines meiner Highlights des letzten Urlaubs war die langersehnte Küstenwanderung zwischen St.Valery en Caux und Veules-les-Roses. Der Abschnitt von ungefähr 8km ist bei Ebbe leicht zu begehen, man muss lediglich darauf achten, dass es sehr rutschige Stellen geben kann und man muss die Zeit gut im Auge behalten, weil es bei Flut keine Ausstiegsstelle gibt. Die Wanderung habe ich so genossen, habe inne gehalten, mich auf einen Stein gesetzt und die Wellen beobachtet. Ich war aber trotz der Präsenz mit meinen Gedanken weit weg, träumte mich weg, wobei vielleicht ein kleiner bisschen von der Magie des Ortes verloren ging.

 

Aber rückblickend ist nun alles um so viel leichter, ich muss nicht von Nebenjob zu Nebenjob hetzen und muss nicht mehr überlegen, ob ich mir Käse oder doch Yoghurt kaufen soll. Beides war finanziell nicht möglich. Klingt komisch, aber genau so ging es mir, als ich ein halbes Jahr in Frankreich lebte und von 320€ versuchte ein Monat lang zu leben. Spoiler: es gelang mir recht gut. Zum Glück kam mein damaliger Arbeitgeber für meine Unterkunft auf, denn sonst hätte das Geld wohl nicht gereicht.

 

Oder wenn ich an die vielen Aushilfsjobs denke, die ich absolviert habe, um mir während des Studiums etwas dazu zu verdienen. Die Bandbreite reicht von Jobs im Gastgewerbe bis hin zu Samstagskraft in einem Supermarkt. Natürlich musste ich bei den meisten Jobs auch Berufskleidung tragen und hätte ich wohl diese Seite vorher gekannt, hätte ich wohl hier meine Blusen und Hosen gekauft.

 

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So gesehen bin ich selbst für meine Aushilfsjobs extrem dankbar, weil ich sicherlich von jedem einzelnen profitiert und etwas gelernt habe. Heute muss ich zum Glück nicht mehr überlegen, ob ich ein Joghurt oder Käse kaufen möchte und dafür bin ich sehr dankbar. Ich kann Reisen planen und halbwegs beruhigt in die Zukunft blicken, auch wenn sie an manchen Tagen nicht so rosig aussieht.

 

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