Gefangen in der eigenen Haut

Lifestyle, Rückblicke, Skincare

Wusstest Du, dass am 14. September der Welt-Neurodermitis Tag ist? Ich nicht, wie so viele andere Dinge, die ich nicht über meine Haut wusste, die seit Jahren ihr Eigenleben zu führen scheint und der ich beinahe eine eigene Persönlichkeit zuspreche.  * WERBUNG* 

Soweit ich zurückdenken kann, dreht sich bei meiner körperlichen und seelischen Befindlichkeit und Wahrnehmung sehr viel um Neurodermitis. Fragen wie: Was darf ich essen? Soll ich tatsächlich ein kurzärmeliges T-Shirt anziehen, obwohl die Armbeugen vernarbt und verkrustet sind? Soll ich lieber Salz fürs Bad nehmen oder gar nichts (das Salz schmerzt zwar, aber lindert den Juckreiz, weil der Schmerz das Jucken etwas weniger intensiv erscheinen lässt). 

All das waren oder sind Fragen, die mich in meinem Alltag sehr lange begleitet haben und zum Teil noch immer begleiteten. Wenn mich jemand fragt, wie es sich anfühlt Neurodermitis zu haben, fällt es schwer, dies zu beschreiben, denn ich kenne es nicht anders. Ich weiß nicht, wie es ist, eine unbeschwerte Haut, ein leichtes Körpergefühl und immer eine glatte Hautoberfläche zu fühlen. Erst in den letzten Tagen macht sich in den Kniekehlen wieder dieses juckende Gefühl breit, es beginnt mit einem harmlosen kleinen Jucken, doch nach ein paar Kratzversuchen stellt sich heraus, dass es das altbekannte Gefühl ist, das mit einem neuen Schub einhergeht. Ich kann eigentlich schon darauf warten, dass die Haut trockener, schuppig und gerötet wird. 

Doch was ist Neurodermitis eigentlich? Fest steht, dass es keine Allergie ist. Neurodermitis ist eine Hauterkrankung, die sich in einem stark juckendem Ekzem äußert. Wobei ich bei dieser ganzen Geschichte den Juckreiz immer als das Schlimmste empfunden habe. Lieber war mir dann das Brennen der Haut, wenn ich so lange gekratzt hatte, dass die Haut offen und blutig wurde. Besonders als Kind machte es mir unheimlichen Druck, die vernarbte Haut zu zeigen und irgendwann wird man müde zu erklären, dass es kein ansteckender Ausschlag war, sondern einfach Neurodermitis. 

Hier kommen ein paar Fakten zur Neurodermitis: 

  • Ungefähr 2-5% der Bevölkerung in Österreich leben mit Neurodermitis und es ist die häufigste chronisch entzündliche Hauterkrankung in Österreich. 
  • Neurodermitis wird auch als atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem bezeichnet. 
  • Bei Neurodermitis sind entzündete, rötliche Hautstellen typisch. Diese können sowohl trocken als auch nässend sein. Charakteristisch ist der starke Juckreiz. 
  • Es handelt sich bei Neurodermitis um eine chronische Hauterkrankung, die sich unter der Haut abspielt und die auch mit anderen Erkrankungen in Verbindung stehen kann. Als Folgeerscheinung kann auch die Psyche sehr stark belastet werden. 
  • Als Ursache können genetische Faktoren, ein fehlgeleitetes Immunsystem, eine gestörte Hautbarriere oder auch Umwelteinflüsse wie der Kontakt der Haut mit Allergenen, genannt werden. 

Habe ich gegen die Neurodermitis etwas unternommen? Oh ja, meine Eltern bemühten sich in meiner Kindheit mit allen möglichen Mitteln den Juckreiz zu lindern und eine Besserung für die durchlöcherte und zerkratzte Haut zu finden.  In meiner Erinnerung blieben zahlreiche Arztbesuche, unzählige Diäten, Ziegenmilch, Stutenmilch und stinkende Salben, die sich mit den langärmeligen Shirts verklebten, nur um dann wieder den Schorf von der Haut zu reißen. Doch nicht nur das, die Salben hinterließen auf hellen Shirts auch gelbliche Flecken, die mir dann wiederum sehr peinlich und unangenehm waren. Doch das war noch nicht alles, ich verweigerte zum Teil kurzärmelige Sachen in der Volksschule, weil ich nicht wieder gefragt werden wollte, was für komische Ausschläge ich denn überall hatte. 

Heute, ungefähr 30 Jahre später habe ich mich irgendwie arrangiert, habe für mich einen Mittelweg gefunden und bis zu einem gewissen Grad die unterschiedlichen Zustände meiner Haut akzeptiert. Doch alle Jahre wieder im Winter oder in Situationen mit sehr viel Stress kehrt die Neurodermitis zurück und verblüfft mich durch ihre Hartnäckigkeit. Sie tritt an den verrücktesten Stellen auf: Kopfhaut, Augenlider, Oberschenkel, Kniekehlen und die Liste lässt sich noch beliebig fortsetzen. Heute sieht man kaum mehr etwas von den trockenen Neurodermitis Stellen, doch meist im Winter reagieren meine Hände sehr empfindlich auf Kälte und in den letzten zwei Jahren auch auf Desinfektionsmittel. 

Was kann ich euch mit auf den Weg geben? Für mich ist der wichtigste Punkt offen und ehrlich mit eurem Umfeld darüber zu sprechen. Zu erwähnen, dass es einen Grund hat, warum man vielleicht keinen Alkohol trinkt oder warum die Haut so trocken und aufgerissen ist. Wichtig ist auch, dass man nach individuellen Lösungen sucht und nicht aufhört an eine Erleichterung zu glauben. Was bei dem einen hilft, nützt vielleicht bei der nächsten betroffenen Person nicht und umgekehrt. Am besten lässt sich hier auch das vertrauensvolle Gespräch mit dem Hautarzt anführen, der berät und unterstützt. Für mich gibt es nicht die EINE Behandlung, die mir geholfen hat, sondern vielmehr die Einstellung, die ich geändert habe und die Art und Weise, wie ich mit meiner Haut umgehe. 

Heute räume ich meiner Haut einen gewissen Raum ein, gestehe es mir ein, dass sie manchmal mehr Aufmerksamkeit verlangt, dass sie aber auch ein Indikator ist, dass meine persönliche Balance etwas schwankt. Das heißt, es ist dann wieder an der Zeit den Blickwinkel minimal zu verändern und neu zu fokussieren. Zur Ruhe zu kommen und den Balanceakt zu einer inneren Ausgeglichenheit zu finden. 

Die Frage, die du dir bei deinem Neurodermitis-Weg stellen musst, ist folgende? Was möchte ich und wie erreiche ich mein Ziel. Am wichtigsten ist wohl, dass du dich nicht mit der Krankheit abfindest. Ich weiß, das kostet sehr viel Kraft und Mühe, aber es zahlt sich aus, einen passenden Weg für dich zu finden. Vor allem auf lange Sicht ist es auch für die Psyche sehr entlastend, einen Weg mit der Krankheit umzugehen zu finden. Zudem wirst du auf der manchmal holprigen Reise nicht allein gelassen, Ärzte, Familie oder auch andere Betroffene begleiten dich. Auf https://www.neurodermitis-online.at findest du auch Tipps und Infos zu dem Thema Neurodermitis. 

Beim Thema Hautarzt sammelte ich bereits auch schon einige Erfahrungen. Für mich war immer wichtig, dass sich der Hautarzt (ich gendere hier wegen dem Lesefluss nicht) Zeit für mich und meine Anliegen nimmt. Ich wünsche mir zudem, dass mir mögliche Lösungsvorschläge angeboten werden und dass gemeinsam der für mich passende Behandlungsvorschlag probiert wird. Diese Lösungen sind zum Teil sehr individuell und so unterschiedlich wie auch die Beschaffenheit der Haut. 

Ich wünsche dir daher, dass du auch für dich einen gehbaren Weg findest und dass du nicht aufgibst, einen Weg zu suchen. 

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